Der Vater Zacharias

Zacharias, der Vater Johannes’ des Täufers ist ein alttestamentlicher Priester im Neuen Testament. Wenn er im Gespräch mit dem Boten Gottes sein Alter beschreibt (πρεσβυτης Lk 1,18), liefert er sogar die Grundlage für den Namen der neuen Priester Christi – die Presbyter.

Wir staunen über die neutestamentliche Güte Gottes und mit Recht betonen wir, dass Gott große Taten weit weg von den Machtzentren, in Nazaret beispielsweise, und mit „kleinen“ Menschen ausführt, außerhalb des Systems, ohne hohe Stellung. Der Priester Zacharias ist aber ein echtes Beispiel, dass Gott auch mitten im Establishment am Werk ist und dort seine Taten in Gang setzt.

Zacharias ist ein Mann, der ergeben die Gebote und Vorschriften bewahrt, in ihnen lebt er (εν v6). Treu vollführt er den durch das Gesetz vorgeschriebenen Gottesdienst im Tempel (v8), der die ganze Gemeinschaft zum Gebet zusammenführt (v10.21). Der alte Priester bleibt trotz ungewöhnlicher Ereignisse bis zum Ende seiner Frist im Dienst (v23).

Der Vater Zacharias ist der erste Mensch, dem sich im Evangelium der Bote Gottes Gabriel – der Verkünder der Kraft Gottes – offenbart und zwar dort wo er natürlich hingehört – im Tempel, der Wohnstätte Gottes. Zacharias, der Priester, ist fähig, die Sprache des Engels zu verstehen und in Dialog mit ihm zu treten. Er ist der erste, der die Frohbotschaft empfängt (ευαγγελισασθαι v19). Gabriel zeigt mit seiner Aussage, dass Zacharias ein Betender ist. Er macht ihn nämlich darauf aufmerksam, dass sein inniges Gebet erhört worden ist (v13) und das ist die erste Botschaft, die Zacharias vom Himmel bekommt.

Der biblische Text hebt zwar den Unglauben Zacharias’ hervor und deutet seine Stummheit als eine korrigierende Strafe, was wir als wahrscheinlich annehmen. Was aber der himmlische Bote über den neuen Zustand Zacharias’ sagt, meint zunächst Schweigen und Stille (σιοπαω v20). Dieser Priester wird schweigen, bis die wundersame Ankündigung in Erfüllung geht. Gibt es eine geeignetere und natürlichere Reaktion auf das Mysterium?

Später wird er, indem er „Johannes ist sein Name“ auf die Tafel schreibt  (v62), beweisen, dass er gehorsam den Auftrag ausführt, den er von Gott erhalten hat („Du sollst ihm den Namen Johannes geben“ v13). Trotz ersten Unglaubens hat er doch der Botschaft Gottes gut zugehört und sie sich angeeignet.

Die Worte, die er nach dem neunmonatigen Stillschweigen ausspricht, sind Verherrlichung und Dank an Gott (v64). Die lange Stille ging in den großen priesterlichen Hymnus über: „Benediktus – Gesegnet sei Gott“, der ins Herz des neutestamentlichen Gebetes eingeflossen ist. Es wird in der Bibel direkt beschrieben: in dem Moment, als er sein grandioses Gebet anfängt, wird Zacharias mit dem Heiligen Geist erfüllt (v67) und seine Worte sind prophetische Rede (v67). So ist der Priester Zacharias ein Prophet, ebenso wie er für seinen Sohn ankündigt: „auch du, Kind, wirst Prophet des Höchsten heißen“ (v76). Auf diese Weise geht in der Heiligen Schrift die ehrwürdige Reihe der Propheten Gottes weiter, durch deren Mund Gott verheißen hat seinem Volk einen starken Retter zu erwecken (v69).

10.04.2010

P. Niko Bilić SJ
Redaktion: Teresa Pietsch