P. Rupert Mayer und Ignatius von Loyola

 

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och einmal kommt der Tag, an dem wir unseren Blick zum himmlischen Ziel erheben dürfen. Sel. P. Rupert Mayer, der Schutzpatron dieser Kirche von lebenden Menschen in Oberbozen, ist seinem Meister und Herrn nachgefolgt. In Anstrengung und Mühsal des Kreuzes war er mit Jesus. Deswegen ist er auch in der Verherrlichung und Freude mit Ihm.

Bereits in frühen Jahren seines Lebens, umgeben von fünf Geschwistern, suchte Rupert Mayer das Wichtige und Wesentliche im Leben und im Glauben. Dort, zu Hause, in seiner Familie hat er den Wunsch und die Berufung entdeckt, Priester zu werden. Als junger Student ist er ins Priesterseminar in Rottenburg eingetreten, wo er am Ende des Jahrhunderts (1899.) durch Bischof von Keppler geweiht wurde. Ein Neugeweihter, ein Priester für die tragenden Ereignisse des auf ihn zukommenden 20. Jahrhunderts.

Sein Leben wird zeigen, dass P. Mayer eine richtige Jesuitenberufung hatte. Seine Geschichte führt zu den Quellen der Gesellschaft Jesu zurück. Nach über 400 Jahren Jesuitengeschichte haben wir fast vergessen, wie das am Anfang war. Bis auf den heutigen Tag verbindet man Jesuitenpatres mit Intellektuellen und mit der Jugendarbeit. Der Beginn war aber in einer Gruppe von neugeweihten Priestern aus verschiedenen Ländern, die in den Großstädten gepredigt und geistliche Übungen gegeben haben. Sie haben sich entschlossen, als Gemeinschaft verbunden zu bleiben. So ein Ideal hatte P. Mayer, nachdem er sich schon bei den Dominikanern und Benediktinern umgeschaut hatte.

Der Lebensweg hat ihn zu vielen Orten geführt. Aus seiner Heimatstadt Stuttgart ging er zu seinem ersten priesterlichen Dienst als Kaplan nach Spaichingen. Im Noviziat war er in Vorarlberg, in Feldkirch. Dann war er in Valkenburg in den Niederlanden. Nach München kam er zum ersten Mal vor dem Ersten Weltkrieg. Als Feldgeistlicher kam er bis nach Rumänien und Galizien.

Ignatius, der künftige Gründer des Jesuitenordens, wurde 400 Jahre früher verwundet. Der mutige junge Soldat leitete die Verteidigung von Pamplona. Eine Kanonenkugel hat sein Knie getroffen. Der langen Genesung verdanken wir, dass er die Unterscheidung der Geister gelernt hat: Welche Inspiration stammt von Gottes Geist und bringt zum Leben? Welche Ideen dagegen führen zu keinem guten Ende?

Trotz wiederholten Heilungsversuchen ist Ignatius ein Bein gestört geblieben und den Rest seines Lebens war er behindert. Auch P. Mayer verlor ein Bein im Dienst beim Militär. Und trotzdem ließ er sich nicht aufhalten, den Fußspuren Jesu Christi zu folgen. Er machte viele mutige Schritte in München, um Kranke zu besuchen, die Caritas zu unterstützen, um an verschiedenen Versammlungen teilzunehmen und ein Wort des Glaubens zu sagen. Früher als viele hat er eingesehen, dass die Ideologie der Nationalsozialistischen Partei zum todesgefährlichen Totalitarismus führt.

P. Mayer hat sich eine ignatianische Grundregel gut angeeignet: "Ayudar las almas" – "den Seelen helfen". So hat Ignatius in spanischer Sprache sein Ideal formuliert: Die Menschen zu unterstützen, Einzelpersonen auf ihrem Weg mit Gott und miteinander Beistand zu leisten. Gut hat P. Mayer die Botschaft verstanden, als er dann die vielen Stunden in der St. Michaelskirche in München als gesuchter Beichtvater verbracht hat.

Wie oft müssen wir im Leben Wertvolles, was uns wichtig ist, loslassen? Das Geheimnis des Kreuzes liegt auch darin, dass Jesus Christus sein Werk der Verkündigung und Heilung verlassen musste. Als die Stunde kam, in Getsemani bereits, wusste er, dass er alles in die Hände des Vaters aufzugeben hat. Die kraftvollen Worte der Seligpreisung werden am Kreuz verstummen. Die göttliche Hand, die Krankheit und Tod vertrieben hat, wir am Holz des Kreuzes gefesselt.

Es ist bekannt, dass P. Mayer gefangen genommen und interniert war. Man wollte ihn unbedingt daran hindern, dass er als Priester tätig wird. Vier Jahrhunderte früher hat Ignatius seinen missionarischen Wunsch auch aufgeben müssen. Zum Generaloberen gewählt, musste er das ganze weitere Leben im Zentralhaus der Gesellschaft Jesu verbringen. P. Mayer, der überaus aktive Apostel, musste sich nach der Verhaftung in ähnlicher Lage gesehen haben. Er bekennt aber wortwörtlich: "Ich lande nun glücklich im Gefängnis. Ich empfinde dies als Krönung meines Lebens" (Rupp, 68).

Nach vielen Strapazen in Gefängnissen wurde P. Mayer auch ins Konzentrationslager Sachsenhausen versetzt. Dort hat er unerwartet einen kleinen Koffer mit dem Notwendigsten für die Messfeier zugeschickt bekommen. Seine angenehme Überraschung und Freude waren übergroß. Davon schreibt er in einem Brief (Rupp, 80).

Er konnte wiederum die Eucharistie feiern. Darin ist der Kern des Geheimnisses. Bevor Jesus alle irdischen Unternehmungen aufgeben musste, hat er Leib und Blut, die eigene Person den Seinen anvertraut. Dieses Paschamahl feiern wir jetzt auf diesem Altar.

 

Zum Patrozinium in Oberbozen,

Vorabendmesse, Samstag, 8. November 2003