Sel. P. Rupert Mayer – Schutzpatron

Gut hat P. Mayer gewählt, oder richtiger gesagt: gut hat der Herr gewählt, seinen Diener heimzuholen. P. Rupert Mayer kam zum Schluss seines irdischen Lebens in gute Gesellschaft, nämlich, ausgerechnet am Tag Allerheiligen, am 1. November 1945. Am Altar, während des Gottesdienstes wurde er vom Schlag getroffen. Er war ein Soldat Christi, der unter dem Banner des Kreuzes seinem Herrn bis zum Ende gedient hat.

Seine letzten Worte erinnern an die Serafim aus der Vision vom Propheten Jesaja. Jesaja hat den Herrn gesehen als er zum prophetischen Dienst berufen wurde. Er hat die Serafim gehört, die wiederholt den Lobpreis ausriefen, den wir bis auf den heutigen Tag in der Eucharistiefeier sprechen: "Heilig, heilig, heilig…!" Die letzten Worte von P. Rupert Mayer waren auch dreimalige Wiederholung: "Der Herr, der Herr, der Herr…" Vielleicht hat er ein letztes Mal sein Lieblingsgebet angedeutet: Herr, weil Du es willst, darum ist es gut. Das Herz von P. Mayer ruht endgültig in den Händen seines Herrn.

Von jung auf war Rupert ein Mensch der konkreten Ideale, zielstrebig und entschlossen. Er wollte reiten. Und er hat das getan. Noch als Junge, dann als Student, danach als Feldgeistlicher und Divisionspfarrer beim Militär. Er wollte fliegen. Das wurde ihm auch möglich in einer "Lufthansa" Maschine, als er in den zwanziger Jahren in München als Seelsorger tätig war. Er hatte einen beständigen Wunsch ins Feld zu ziehen, konkret mit den Menschen in ihrer offenen Umgebung zu arbeiten. Und dies hat er auch getan: als Volksmissionar in Deutschland, Österreich und in der Schweiz; im ersten Weltkrieg als Militärpfarrer, in München als Vorkämpfer der karitativen Tätigkeit. Ins Feld ist er gezogen auch als Präses  der Marianischen Männerkongregation. Er selber berichtet, wie er in den zwanziger Jahren landauf und landab reiste und suchte, die Männerwelt im Katholischen Glauben zu befestigen. Er war überzeugt: wenn alle Katholiken zusammenstehen, dann kann nichts passieren.

Einmal hat P. Mayer geschrieben: "Wo die Liebe eine untergeordnete Rolle spiel, da müsste man von einem Abfall vom Christentum sprechen" (Rupp, 34). Im Kern unseres Glaubens ist ein Herz, ein lebendiges Herz, das wir am Kreuz aber auch in der Auferstehung kennen. Der gute Hirt der, sein Leben hingegeben hat, hat das Leben nicht verloren. Da ruft er wiederum und Thomas kennt seine Stimme: "Berühre meine Wunden und sei gläubig…!"

Im Herzen Jesu hat P. Mayer eine dreifache Quelle für sich gefunden. Der Hirt braucht den Mut, um dem Wolf entgegenzutreten und nicht zu fliehen. Nach der ersten Verhaftung schreibt P. Mayer in einer offiziellen Erklärung: Trotz des gegen mich verhängten Redeverbotes werde ich aus grundsätzlichen Erwägungen heraus predigen (vgl. Rupp, 61).

Vom Herzen Jesu hat P. Mayer gelernt, die Leiden auf sich zu nehmen. Vor seinen Verfolgern ist er ruhig dagestanden. Auch in den Mächtigsten des totalitären Regimes hat er die menschliche Misere erkannt, die nur um sich selbst herum kreist, Grundsätzliches übersieht, Wertvolles auszurotten versucht.

Noch etwas Wichtiges hat P. Mayer im Herzen Jesu gefunden: Eine Vision der Zukunft, die Gott vorhat. Es ist nicht genug, viele Menschen zu sammeln. Das macht heute Show-bussines und Sport. Es war auch nicht genug, mutig und deutlich gefährliche Weltanschauung zu verurteilen.

Ein Guter Hirt kennt die Seinen, sie sind ihm wichtig und er will sie nicht im Stich lassen. Sobald es ihm möglich war, ging P. Mayer in Aktion. Er nahm die Anweisung von Paulus ernst; deswegen war er frei von Leistungsdruck. Ob sie es hören, oder nicht, – er hat das Wort des Glaubens verkündigt.

Einmal wurde er mit einem Beifall bei einer Versammlung begrüßt, als er zu Wort kommen sollte. Selber hat er zunächst erklärt, dass der Applaus verfrüht und verfehlt war. Denn was er sagen will, wird viele enttäuschen: dass nämlich die neue Ideologie keineswegs mit dem Glauben zu vereinbaren sei.

In den Tagen nach dem 9. November 1923 ist er so feindlichen Blicken in München begegnet wie es nie früher der Fall war. Und trotzdem kam er zum großen Erfolg mit den Gottesdiensten am Bahnhof, die zwei Jahre später ihren Anfang nahmen. Auch wenn P. Mayer keine Beliebtheit genoss, strahlte er große Anziehungskraft aus.

Der Gute Hirt kennt die Seinen, sagt Jesus. Warum? Weil er ihren Weg selber gegangen ist. Er kennt ihn aus Erfahrung, weil er selber, wie ein Lamm zum Schlachten gebracht wurde. Weil er selber ein Lamm Gottes ist. Zu ihm werden wir auch heute rufen: Erbarme dich unser! Gib uns deinen Frieden!

Patrozinium Oberbozen

Sonntag, 9. 11. 2003.